Glaswerkstatt am Erfurter Dom

Eine moderne Werkstatt mit langer Tradition

Die zwischen 1380 und 1420 entstandene Farbverglasung des hohen Chores war wohl noch nicht abgeschlossen, als durch Brandschäden im Jahre 1416 bereits umfangreiche Erneuerungsarbeiten nötig waren. Sie wurden vermutlich von der Glasmalereiwerkstatt ausgeführt, die auch die letzten mittelalterlichen Chorfenster schuf.

Spätestens seit den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts waren über die nächsten Jahrhunderte stets einheimische Glaser mit Reparaturarbeiten an den Domfenstern beschäftigt.

Mit den steigenden Anforderungen an eine fachgerechte Restaurierung wurden am Ende des vorigen Jahrhunderts kompetente auswärtige Werkstätten beauftragt.

Im Jahre 1945 konnte am Erfurter Dom vorübergehend eine provisorische Glaswerkstatt eingerichtet werden, die seit Ende der siebziger Jahre durch die Domwerkstätten und später durch das Dombauamt weitergeführt wurde.

1993 bis 1996 wurde die Glaswerkstatt des Erfurter Domes als Modellprojekt rekonstruiert und neu ausgestattet. Eine großzügige Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und weitere Institutionen wie das Bundesministerium für Forschung und Technologie und das Thüringische Ministerium für Wissenschaft und Kunst ermöglichten dieses Projekt, welches Investitionen von über drei Millionen DM erforderte.

Der Glasmalereibestand des Erfurter Domes

Der Erfurter Dom besitzt einen umfangreichen Glasmalereizyklus von hoher künstlerischer Qualität aus der Zeit zwischen 1380 bis 1420 sowie Reste weiterer mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Glasmalerei, einige wenige Farbverglasungen von 1895/96 und fünf Fenster mit Glasmalereien von Charles Crodel aus den Jahren 1960 – 1962.

Konservatorische Hauptprobleme des Bestandes

Die mittelalterlichen Domfenster weisen zu großen Teilen erhebliche Korrosionsschäden an Glas und Malschicht auf. Darüber hinaus sind sie durch eine zumeist sehr harte, dicke Wettersteinschicht in ihrer Transparenz wesentlich beeinträchtigt und kaum lesbar. Die modernen Crodelfenster zeigen vor allem besorgniserregende Schwarzlotschäden. An der Sicherung des Bestandes wird intensiv gearbeitet. Im Zentrum der Bemühungen stehen die Fixierung gefährdeter Schwarzlotpartien und die Ausdünnung der rückseitigen Wettersteinschicht.

Ausstattung

Die moderne Ausstattung der Glaswerkstatt, die langjährige Erfahrung der Kollegen, die Erkenntnisse aus zahlreichen Forschungsprojekten sowie die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Partnern bilden gute Voraussetzungen für einen fachgerechten Umgang mit der historischen Verglasung des Erfurter Domes.

Die Erkenntnisse und Erfahrungen werden an interessierte Fachleute und Laien weitergegeben. In diesem Zusammenhang war die Werkstatt z.B. in ein Weiterbildungsprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eingebunden.

Die Glaswerkstatt des Erfurter Domes wurde im sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz nach modernen gestalterischen Gesichtspunkten errichtet. Die geschaffenen Arbeitsbereiche für die Restaurierung/Konservierung, Fotodokumentation und Archivierung entsprechen dem neuesten Stand.

Zur Ausstattung der Werkstatt gehören beleucht- und beheizbare Arbeitstische, eine Absauganlage, ein Zeiss-Lichtmikroskop sowie Brennöfen und eine Bleizugmaschine. Weiterhin verfügt sie über eine modernen Fotoraum mit einer Großbildkamera sowie über ein umfangreiches Bild- und Aktenarchiv.

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Kontakt

Dombauamt Erfurt
Glaswerkstatt
Domstufen 1
99084 Erfurt
Tel. 0361/5901127
Fax 0361/5901121
E-Mail dom-glasrestaurierung-erfurt@arcor.de



Eingang zur Glaswerkstatt
Eingang zur Glaswerkstatt
Moderne Ausstattung im Inneren
Moderne Ausstattung im Inneren
Schäden durch Wettereinflüsse
Schäden durch Wettereinflüsse
Sicherung der Bemalung mit Wachs
Sicherung der Bemalung mit Wachs