St. Martini

So wie sich die St. Martini-Kirche seit der umfassenden Innen- und Außenrestaurierung von 2001/2002 präsentiert, hat sie nicht immer ausgesehen:
Es wird vermutet, dass bereits der Heilige Bonifatius, als er im 8. Jahrhundert im Thüringer Land missionierte, an heutiger Stelle schon einen Kirchbau vorgefunden hat, von dem jedoch nichts mehr erhalten ist.

Im 11. Jahrhundert soll St. Martini „extra muros“ – sie lag außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer von 1066 – mit zu den damals 25 Pfarrkirchen Erfurts gehört haben. Mit Sicherheit ist davon auszugehen, dass Franziskanermönche, die 1221 im Erfurter Brühl ein Hospital unterhielten, in St. Martini ihre Hospitalkirche hatten.

1265 wird St. Martini als Pfarrkirche erstmals urkundlich erwähnt. Von 1311 an ist St. Martini für über 500 Jahre zugleich Pfarr- und Klosterkirche des an die Kirche angebauten Zisterzienserinnenklosters, seit 1819 ist sie bis heute Gotteshaus der katholischen Gemeinde.
Der älteste erhaltene Teil der Kirche ist der gotische Turm, in dem bis heute die Martins- Glocke von 1419 läutet.

Nach einem 1472 Kloster und Kirche zerstörenden Brand wurde das nun spätgotische Gebäude 1483 wieder aufgebaut, wovon noch heute die gotischen Fenster im Chorraum, der ursprüngliche Eingang zur Sakristei sowie das Sakramentshaus Zeugnis geben.
In den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs hatten 1632 die Schweden die Zisterzienserinnen verjagt sowie Kirche und Kloster geplündert und zerstört. Als die Nonnen 1635 ins Kloster zurückkehrten, waren sie so verarmt, dass sie Kirche und Klosteranlage nur notdürftig reparieren lassen konnten. Erst von 1726 – 1736 kam es zu einer umfassenden Wiederherstellung der Klostergebäude. Der Wiederauf- und barocke Umbau der Kirche erfolgte jedoch erst von 1755 bis 1758 mit Hilfe einer Stiftung des Weihbischofs Johann Friedrich von Lasser, der die Kirche am 6. August 1758 neu geweiht hat.

Auch wenn im 19. Jahrhundert manches an barocker Ausstattung wieder entfernt wurde, hat die Kirche bis heute mit ihren barocken Portalen, den Fenstern im Kirchenschiff, dem Tonnengewölbe, dem Bild der Verkündigung Mariens, dem die Seitenwände umgehenden Kreuzweg und vor allem in Kanzel und Hochaltar ihre barocke Gestalt bewahrt.

Auf der Empore – ehemals Nonnenchor mit Verbindung zum angrenzenden Kloster – erklingen auf zwei Manualen und Pedal verteilt 19 Register der 1874 von der Orgelbaufirma Adam Eifert, Stadtilm, erbauten Orgel (1995 restauriert).

Außer der Kirche ist zwischenzeitlich auch das angrenzende Kloster, in dem sich heute privater Wohnraum befindet, wieder hergerichtet, so dass Kirche und Kloster zumindest optisch wieder eine Einheit bilden.

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